Saufdruck erschien im Sommer 2013

Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin

 

Textauszug:

 

Es roch nach Linoleum und starkem Reinigungsmittel. Mein Kopf schmerzte. Im Magen rumorte es, mir war speiübel. Ich lag in einem fremden Bett. Wo war ich?

 

Es schien früher Morgen zu sein. Oder doch eher Mittag? Ich hatte keine Ahnung. Mein Zeitgefühl war mir mal wieder abhandengekommen. Ich blinzelte in das grelle Neonlicht. So langsam erkannte ich meine Umgebung. Es war ein großer Raum mit mehreren Hochbetten, der streng nach einem Reinigungsmittel roch. Vor mir spielten zwei jüngere Männer an einem wackligen Tisch Karten, rauchten und unterhielten sich leise. Ich verstand kein Wort. Kam mir vor wie eine slawische Sprache. Wahrscheinlich Russisch. Eventuell auch Sorbisch oder ein ukrainischer Dialekt. Auf jeden Fall ein osteuropäisches Idiom. Sehen aus wie Autoschieber, überlegte ich. Von oben baumelten mir Füße entgegen. Ich blickte hinauf und entdeckte einen zerlumpten Obdachlosen, der an einer Flasche Bier nuckelte. Zumindest gibt’s hier Alkohol, dachte ich und versuchte, der ungewohnten Situation etwas Positives abzugewinnen. Denn ich verspürte großen Durst. Ein Typ, den ich nicht sofort einordnen konnte, stand vor dem Fenster und zählte Geld. War ein kleinerer Betrag. Wahrscheinlich die Tagesausbeute eines Taschendiebs. Aus dem Bett neben mir hörte ich plötzlich ein leises Stöhnen. Ich wandte meinen Blick nach rechts, was mir in meinem miserablen Zustand schwerfiel, und sah einen jungen Mann, der sich gerade eine Spritze in die linke Armbeuge setzte. 

 

Kapitel 12: Unter Gestrauchelten